Verkehrswesen und Raumplanung I

Das Nebenfach Verkehrswesen und Raumplanung zählt zu den beliebtesten in der Geographie. In diesem Nebenfach wird eine Stärke der RWTH ausgespielt. Das Nebenfach Verkehrswesen und Raumplanung 1 wird von drei Instituten der RWTH (Fakultät Bauingenieurwesen) geleitet; dem ISB (Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr), dem ISAC (Institut für Straßenwesen) und dem VIA (Verkehrswissenschaftliches Institut). Ihr nehmt an Vorlesungen der Bauingenieure teil und könnt euch in verschiedenen Bereichen der Regionalplanung und Verkehrsplanung vertiefen und von Projektmanagement, über Straßenplanung, bis Flughafenwesen verschiedene Module belegen.

Aufbau

Das Nebenfach besteht aus einem Pflicht- (20 CP) und einem Wahlpflichtteil (10 CP). Neben einfachen Vorlesungen gibt es Vorlesungen mit Übung, die als Voraussetzung zur Klausurteilnahme dienen.

Ausschnitt aus der Prüfungsordnung 2019 zum Nebenfach Verkehrswesen und Raumplanung I

Pflichtveranstaltungen

Die Vorlesung Planungsmethodik wird von den drei genannten Instituten durchgeführt. Vermittelt werden Grundlagen zu Dimensionierung, Betrieb und Modellen. Allgemein erhält man hier eine Übersicht zu den zu vertiefenden Wahlpflichtmodulen. Übungen dienen dem ergänzenden Verständnis und sind nicht Voraussetzung für die Teilnahme an der Klausur. Die Klausur wird als E-Klausur geschrieben.

Die Vorlesung Stadt und Regionalplanung 1 wird vom ISB gehalten. Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Raumentwicklung, Verkehrsentwicklung und die sozialen und ökonomischen Auswirkungen von Infrastruktur vermittelt. Neben der Übung, die als Ergänzung zu der Vorlesung dient, muss eine Hausarbeit bestanden werden. Es handelt sich dabei um die Neuplanung eines (fiktiven) Wohnraumgebiets in Aachen in Gruppenarbeit (3-4). Von der Bestandsaufnahme über den Entwurf wird am Schluss ein Gesamtkonzept mit Planzeichnung verlangt. Das Einarbeiten AutoCAD, Vectorworks oder weitere Zeichenprogramme wird bereits in der ersten Übung empfohlen.

Die Vorlesung und Übung Verkehrsplanung 1 wird ebenfalls vom ISB gehalten. Hier werden die Grundlagen der innerörtlichen Verkehrsplanung, der relevanten Regelwerke und Richtlinien und Aspekte des Straßenraumentwurfs vertieft. Die Hausübung gliedert sich in die Bewertung eines Straßenraumentwurfs sowie die Berechnung eines lichtsignalgesteuerten Knotenpunktes und einer Dimensionierung eines Kreisverkehrs. Die kleinste Hausübung hat einen Aufwand von ungefähr 2-4h, während die Größte zwischen 8-15h schwankt.

Wahlpflichtveranstaltungen

Eisenbahnwesen 1 und 2 (VIA) sind jeweils Vorlesungen, die an parallele Übungen gekoppelt sind, die in Gruppen bestanden werden müssen. Teilweise können diese etwas zeitintensiv sein. Ein der ersten VL werden eisenbahnrechtliche und physikalische Grundlagen, Fahrzeugtechnik, Bemessung und Konstruktion der Trassierung sowie Planungsrecht behandelt. In der zweiten werden das Fahrplanwesen aus Planungsmethodik vertieft, Bahnhöfe und Kreuzungen bemessen und dimensioniert und die Sicherungstechnik gelehrt.

In Grundlagen der Verkehrswirtschaft 1 (VIA) geht es in der VL um den Verkehrsmarkt (Personen und Güter) und die Wirkungsmechanismen, Grundlagen der Logistik, Produktionsplanung, Kosten und Erlöse. Wichtiger Bestandteil ist die Leistungsfähigkeit von Verkehrsmitteln und Verkehrswegen (Berechnung des Modal Split). Ergänzt wird dies durch eine Praxis-Vorlesung, bei der sich zahlreiche Unternehmen von der Verkehrswirtschaft im Alltag erzählen. Das Institut verkauft ein Skript, welches ihr für die Klausur braucht (um die 5€).

Planung und Auslegung von Flughäfen 1 und 2 (VIA) beschäftigt sich mit der „Stadtplanung für Flughäfen“. Es werden Dimensionierungen- und Kapazitätenrechnungen in den parallelen Übungen durchgeführt, die aber nicht als Voraussetzung für die Klausurteilnahme dienen.

Grundlagen der Gewässergüte- und Siedlungswasserwirtschaft wird vom Institut der Siedlungswasserwirtschaft (ISA) geleitet. Es geht neben den Grundlagen zu Wasserwirtschaft um die naturwissenschaftlichen Grundlagen, die Wasserver- und Abwasserent-sorgung, der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, der Berechnung der Güte von Gewässern. 4 Übungen vertiefen die Vorlesung, sind aber keine Voraussetzung für die Klausurteilnahme.

Immobilienwirtschaft und Projektentwicklung (Institut für Baubetrieb und Projektmanagement) beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Wertschöpfung der Bauausführung. Schwerpunkte sind Aufgaben, Phasen und Zyklen der Projektentwicklung, Marktsektoren, die Performance von Immobilien, Kapitalmarktprodukte, Projektfinanzierungen und Public Private Partnerships.

In Strategie, Organisation und Prozesse (Institut für Baubetrieb und Projektmanagement) werden strategische Entwicklungsoptionen für Bauunternehmen behandelt. Innovative Unternehmenstypen und Systematiken zur Geschäftsfeldentwicklung werden hier vorgestellt und Erfolgsfaktoren sowie Wirkungszusammenhänge dargestellt.

Straßenplanung 1 (ISAC) beschäftigt sich mit den Kenntnissen der Dimensionierung und Trassierung von außerörtlichen Straßen. 7 parallele Übungen (Aufwand je Übung 1-3h) vertiefen die Vorlesung durch Berechnungen von Trassierungen im Lage- und Höhenplan, Querdynamik, Autobahnknotenpunkten, Entwässerung und Sichtweiten. Es kann sein, dass ein zusätzliches Kolloquium zur Klausurteilnahme verlangt wird (Mini-Mündliche Prüfung zu Dritt oder Viert, bei der jedem 2-3 Fragen gestellt werden. Fast jeder besteht das). Das Institut verkauft ein Skript, welches ihr für die Klausur braucht (um die 5€). 

Was hat mir gefallen

A: Ich bin nach 3 Semestern mit dem Nebenfach fertig geworden. Auch wenn es manchmal mit etwas Arbeit verbunden war und man nicht ganz einfach gute Noten bekommt, ist das Nebenfach super interessant! Besonders, wenn man sich auf Verkehrsgeographie spezialisieren will, da auch viele raumplanerische Aspekte angesprochen werden.

B: Bei der Raumplanung werden immer auch Geographen benötigt, da sie über ein breitgefächertes Wissen verfügen. Viele geographische Aspekte werden in den Vorlesungen angesprochen und man lernt auch die Sicht der Bauingenieure kennen.

C: Das Nebenfach kombiniert reine VL mit Übungen in denen gerechnet, entworfen, oder gezeichnet werden muss, was viel Abwechslung garantiert. Und mit etwas Fleiß und Matheaffinität sind auch gute bis sehr gute Noten drin (nicht zu viel abschrecken lassen von Gerüchten!)

D: Die Veranstaltungen helfen zum Verständnis von Entwicklungsprozessen.

Was hat mir schlecht gefallen

A: Verkehrsplanung fand ich wegen der vielen Richtlinien und Regelwerke etwas öde.

B: Planungsmethodik ist sehr viel Aufwand, weil die drei Institute sehr viel Input liefern. Unbedingt früh mit dem Zusammenfassen anfangen!

Was hätte ich gerne vorher gewusst

A: Es gibt auch Verkehrswesen und Raumplanung 2! Wer sich für das Nebenfach interessiert, sollte es unbedingt als Nebenfach und nicht Teile davon als Wahlpflichtfach im Bachelor belegen, damit man im Master das Nebenfach gegebenenfalls fortsetzen kann.

B: Ich hätte gerne gewusst, welche Übungen als Klausurzulassung dienen.

C: Für einige Kombi-Fächer (Eisenbahnwesen 1 und 2 z.B.) muss man 2 Klausuren bestehen um 5 CP zu erhalten anstatt nur 1.

D: Auch wenn Planungsmethodik als Voraussetzung für Verkehrsplanung gesehen wird, kann man auch mit Verkehrsplanung anfangen oder Planungsmethodik und SRP1 gleichzeitig studieren, wenn man damit kein Problem hat. Inhaltlich gibt es keine wirklichen Nachteile.

Muss ich dafür etwas mitbringen?

Für Planungsmethodik reicht ein Auffrischen der Mathegrundkenntnisse. Die Vorlesungen Räumliche Planung und Stadt- und Bevölkerungsgeographie aus dem Grundstudium der Geographie sind gute Voraussetzungen für allgemeine stadtplanerische Aspekte. Für Stadt- und Regionalplanung 1 sind AutoCAD, Vectorworks oder weitere Zeichenprogramme für das Erstellen des Entwurfs wichtig. Am Besten setzt ihr euch damit bereits in den ersten Vorlesungswochen auseinander. Je nach Vertiefung (Straßenplanung 1, Eisenbahnwesen 1 und 2) sind durchaus vertiefte Kenntnisse in Trigonometrie wichtig.

Irgendwelche sonstigen Tipps?

Physische Geographen wählen ebenfalls öfter Grundlagen der Gewässergüte- und Siedlungswasserwirtschaft, da es sich gut mit Hydrologie verknüpfen lässt.

Verkehrswesen und Raumplanung 1 gibt es auch als Wahlpflichtmodul.